Wie viel Eiweiß brauchst du wirklich? So berechnest du deinen Tagesbedarf
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Kaum eine Ernährungsfrage wird so unterschiedlich beantwortet wie diese. Die offizielle Empfehlung liegt bei 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht, im Fitnessbereich kursieren Zahlen von 2 Gramm und mehr. Beide Angaben sind nicht falsch – sie beantworten nur unterschiedliche Fragen.
Woher die 0,8 g/kg kommen
Der Referenzwert der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) liegt für gesunde Erwachsene bis 65 Jahre bei rund 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Wichtig ist, wie dieser Wert zustande kommt: Er beschreibt die Menge, bei der bei nahezu allen gesunden Menschen der Bedarf gedeckt ist – also eine Untergrenze zur Bedarfsdeckung, keine Zielgröße für Sportler.
Für Menschen ab 65 Jahren nennt die DGE einen höheren Schätzwert von etwa 1,0 g/kg, weil der Körper Nahrungsprotein mit dem Alter weniger effizient verwertet.
Warum im Sport höhere Werte genutzt werden
Wer regelmäßig trainiert, hat einen erhöhten Umsatz. Sportwissenschaftliche Fachgesellschaften nennen für Kraft- und Ausdauersportler üblicherweise einen Korridor von etwa 1,2 bis 2,0 g/kg pro Tag. Oberhalb von rund 2 g/kg zeigen die meisten Untersuchungen keinen weiteren Effekt mehr – der Überschuss wird zur Energiegewinnung herangezogen oder ausgeschieden.
Der Sonderfall Kaloriendefizit
In einer Reduktionsphase verschiebt sich die Rechnung. In Studien zur Gewichtsreduktion wird deshalb häufig mit höheren Proteinmengen gearbeitet – typischerweise im Bereich von 1,6 bis 2,4 g/kg, bezogen auf das angestrebte oder fettfreie Gewicht, nicht zwingend auf das aktuelle.
Dein Richtwert in drei Schritten
1. Bezugsgewicht festlegen
Bei normalem Körpergewicht rechnest du mit deinem tatsächlichen Gewicht. Bei deutlichem Übergewicht ist es sinnvoller, mit einem Zielgewicht oder der fettfreien Masse zu rechnen – sonst kommen unrealistisch hohe Mengen heraus.
2. Faktor wählen
- 0,8 g/kg – wenig aktiv, reine Bedarfsdeckung
- 1,0–1,2 g/kg – moderat aktiv oder über 65 Jahre
- 1,4–1,8 g/kg – regelmäßiges Krafttraining
- 1,6–2,0 g/kg – Training im Kaloriendefizit
3. Rechnen
Beispiel: 70 kg, dreimal die Woche Krafttraining, kein Defizit. 70 × 1,6 = 112 g Protein pro Tag. Verteilt auf vier Mahlzeiten sind das rund 28 g pro Mahlzeit.
Wie viel steckt in typischen Lebensmitteln?
- 100 g Hühnerbrust (roh): ca. 23 g
- 100 g Magerquark: ca. 12 g
- 1 Ei (Größe M): ca. 7 g
- 100 g Linsen (getrocknet): ca. 24 g
- 100 g Tofu: ca. 15 g
- 100 g Haferflocken: ca. 13 g
- 30 g Whey-Pulver: ca. 22 g
Die Werte schwanken je nach Produkt – der Blick auf die Nährwerttabelle lohnt sich.
Verteilung über den Tag
Der Körper kann nicht beliebig viel Protein auf einmal verwerten. Untersuchungen deuten darauf hin, dass eine Verteilung auf drei bis fünf Portionen von jeweils rund 20 bis 40 Gramm günstiger ist als eine einzige große Portion. Für die reine Bedarfsdeckung über den Tag bleibt die Gesamtmenge aber der wichtigste Faktor.
Häufige Stolperfallen
- Rohgewicht und Kochgewicht verwechseln. Nährwertangaben beziehen sich meist auf den rohen Zustand.
- Pflanzliche Quellen unterschiedlich bewerten. Wer sich vegan ernährt, kalkuliert in der Praxis oft etwas großzügiger, weil einzelne Quellen ein unvollständigeres Aminosäureprofil haben.
- Nur an die Hauptmahlzeiten denken. Frühstück ist bei vielen die proteinschwächste Mahlzeit des Tages.
Und wenn man mehr isst?
Bei gesunden Nieren gilt eine erhöhte Proteinzufuhr in den untersuchten Bereichen als unproblematisch. Wer eine Nierenerkrankung oder andere Vorerkrankungen hat, sollte die Zufuhr ärztlich abklären lassen, statt sich an allgemeinen Richtwerten zu orientieren.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise.